FurNEARture: Ein Begleiter fĂŒrs Leben

Nachhaltiger Lebensstil

5 min Lesezeit

Wiebke Semm ‱ Februar 2022

Nachhaltig und bewusst leben

Zugegeben, auch wir haben ganz selbstverstĂ€ndlich Kleidung „made in Bangladesch“ getragen, im tiefsten Winter frische Ananas aufgeschnitten, Pina Colada gemixt und die LieblingsbĂŒcher im BILLY-Regal verstaut. Galten die schnelle Mode, das weitgereiste Essen und die billy-gen MöbelstĂŒcke lange Zeit als echtes Privileg, kehren wir der Fast-Industrie heute zunehmend den RĂŒcken.

Die gesellschaftliche Forderung nach verfolgbaren Produktions- und Lieferketten ist so laut geworden, dass den Besitzer:innen von Massenzuchtbetrieben und Billigdiscountern die Ohren klingeln. Gut so! Entstanden ist daraus nĂ€mlich eine Welle von Nachhaltigkeitsbewegungen wie Slow-Fashion, Slow-Food und Slow-Furniture. Letzteres steht in enger Verbindung zum FurNEARture Einrichtungsstil, ein Trend, der aus dem aktuellen Home Report des Zukunftsinstituts hervorgeht und ĂŒber den wir jetzt auch auf zukunftswaende berichten.

Was ist FurNEARture?

Man kann sagen, FurNEARture ist das i-TĂŒpfelchen der Slow-Furniture Bewegung. Es kommt hier nicht mehr nur darauf an, ob das verwendete Material nachhaltig und die Produktionsbedingungen fair sind, sondern auch auf das Woher!

Das FurNEARture Wohnen drĂŒckt den Wunsch nach lokaler Herstellung unter Verwendung regionaler Materialien aus. Dem entgegen stehen Möbel, deren Ursprung unklar ist und die einen weiten Weg bis zu uns nach Hause zurĂŒckgelegt haben (FARniture). Genauer gesagt: Es soll mit dem gearbeitet werden, was regional zur VerfĂŒgung steht. Ziel der Interieur-Branche mĂŒsste es demnach sein, sich neu zu positionieren und die Betonung verstĂ€rkt auf nahe Produktion, regionale Materialien und ansĂ€ssige Handwerker:innen zu legen.

FurNEARture und Zero Kilometer Materials

Viele Verbraucher:innen ĂŒberdenken nicht nur die Herkunft ihrer Nahrung und Kleidung, sondern hinterfragen auch die Entstehung ihrer Möbel kritisch. In diesem Zusammenhang ist auch der Trendbegriff „Zero Kilometer Materials“ entstanden. Materialien wie Holz, aber auch Metall und Textilien, die diesem Begriff entsprechen, werden aus lokalen Ressourcen gewonnen, benötigen keine ausgelagerte ProduktionsstĂ€tte und können bedenkenlos recycelt werden. Wer auf trendige MöbelstĂŒcke aus Teak, Bambus oder Schilfrohr (sog. Tropenhölzer) steht, kann sich jetzt eines Besseren belehren lassen. Denn auch bei uns in Deutschland gibt es genĂŒgend Produktionsmaterialien, die sich hervorragend zu einzigartigen, stilvollen und langlebigen MöbelstĂŒcken verarbeiten lassen.

Best practice: FurNEARture made in Germany

Dass FurNEARture keine Zukunftsmusik ist, sondern sich schon heute problemlos praktizieren lĂ€sst, zeigt u.a. die Möbelmanufaktur Herr Lars aus Steinfurt in Nordrhein-Westfalen. Die Tischlerei arbeitet mit deutschem Eichenholz aus ökologischer Forstwirtschaft sowie Stahlteilen, die von umliegenden Betrieben bezogen werden. Interessierte können zudem jederzeit einen Blick hinter die Kulissen werfen und den Entstehungsprozess vor Ort transparent nachvollziehen. Auch die MöbelstĂŒcke von Die Möbelschmiede in Baden-WĂŒrttemberg werden aus lokalem und nachhaltigem Bio-Erlenholz gefertigt und in der hauseigenen Möbelmanufaktur zu echten Unikaten verarbeitet.

Win-win-Situation fĂŒr Produzent:innen und Umwelt dank FurNEARture

Dass der maßlose Import von Waren seine Schattenseiten hat, ist vielen schon lange klar. VerunglĂŒckt ein Frachtschiff, das HandelsgĂŒter quer ĂŒber die Weltmeere transportiert, bedeutet das fĂŒr die Umwelt oftmals eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. So rief im Sommer 2020 der Inselstaat Mauritius den Notstand aus, als ein auf Riff gelaufener, auseinandergebrochener Frachter tausend Tonnen Öl im Indischen Ozean verlor. Zu Katastrophen dieser Art gesellt sich zudem der enorme CO2-Austoß, der durch lange Produktions- und Lieferketten befeuert wird. Eine Liste, die gegen den schnellen Konsum und fĂŒr FurNEARture spricht, ließe sich endlos fortsetzen. Globale LieferengpĂ€sse, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, haben der Fast-Industrie zusĂ€tzlich einen Riegel vorgeschoben.

FurNEARture hingegen bezeichnet Möbel, die so lokal wie möglich hergestellt wurden und deren Materialien ebenfalls regional bezogen werden. Das reduziert nicht nur den CO2-Fußabdruck jedes einzelnen StĂŒcks auf ein Minimum, sondern unterstĂŒtzt zusĂ€tzlich lokale Produzent:innen, Designer:innen und WerkstĂ€tten. Weltweit gibt es sogar einige FurNEARture-konforme Unternehmen, die Möbel gar nicht erst vorproduzieren, sondern nur auf konkrete Bestellung tĂ€tig werden.

Wie teuer ist der Nachhaltigkeitstrend?

Abgesehen von dem höheren Preis, sprechen sehr viele Argumente fĂŒr den aktuellen Trend FurNEARture. Dabei versteht es sich von selbst, dass Möbel, die individuell designt und von ansĂ€ssigen Handwerker:innen in der eigenen Werkstatt produziert werden, teurer sind als solche, die aus Pressholz und unter dem Zusatz von Kunstharz und anderen chemischen Substanzen entstehen. Wenn allerdings die Kosten fĂŒr die Umwelt und unsere Gesundheit sowie die Langlebigkeit der Produkte miteinbezogen werden, relativiert sich der Preisunterschied ziemlich schnell.

Bei FurNEARture hinterfragt der Mensch sein Konsumverhalten und handelt verantwortlich mit Blick auf die Zukunft. Es ist nicht selbstverstĂ€ndlich, dass uns bestimmte Ressourcen immer und zu jeder Zeit zur VerfĂŒgung stehen. Daher gilt es, die erforderliche Wartezeit zu akzeptieren, die es zur Herstellung von FurNEARture braucht und sich gleichzeitig von massenproduzierter Fast-Furniture-Ware abzuwenden. Zudem sollte unser Bewusstsein dahingehend geschĂ€rft werden, dass hochwertige Möbel auch emotional einen höheren Wert haben: Der SekretĂ€r, an dem bereits der Großvater gelernt hat, die alte Vitrine, in der das feine Porzellan steht – all das sind Erinnerungen, die uns im Idealfall ein Leben lang begleiten und die es zu bewahren gilt.


Wiebke Semm

hat Journalistik sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt am liebsten ĂŒber die schönen Dinge des Lebens. Das sind fĂŒr sie zum einen aktuelle Interieur- und Livingtrends, aber auch div. Nachhaltigkeitsthemen sowie individuelle Homestorys. DarĂŒber hinaus interessiert sie sich fĂŒr Themen rund um Gesundheit und Psychologie.


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