Urban Gardening – Das Gärtnern in der Stadt schlägt Wurzeln

8 min Lesezeit

ZW

zukunftswaende • August 2019

Urban Gardening

Das Gärtnern in der Stadt schlägt Wurzeln

In den USA hat alles angefangen und in Berlin wird aus einem Pilotprojekt gerade ein Zeugnis für den gesellschaftlichen Wandel. Wir haben uns für euch beim Urban Gardening umgeschaut – beim Gärtnern in der City, in Berlin, Hannover und dem Rest der Welt.


Urban Gardening ist gerade dabei, sich fest in den Städten der Welt zu verankern. Das Gärtnern in der Stadt, es ist gekommen, um zu bleiben – es schlägt buchstäbliche Wurzeln.

 

Vorreiter in Berlin - der Prinzessinengarten

Ein Garten Eden ist er zwar nicht, aber er hat etwas ganz Besonderes. Wenn ihr am Moritzplatz in Kreuzberg den Prinzessinnengarten betretet, dann könnt ihr noch erkennen, dass die 6000 Quadratmeter des Gartens bis zum Sommer 2009 noch eine Brachfläche waren. Die Wege sind bis heute staubig, und doch ist der Ort so grün, wie er ein paar Meter neben einer U-Bahn-Station in einer Millionenstadt nur sein kann. Mangold, Möhren, Kräuter, essbare Blüten – das und so viel mehr wächst in den Hunderten überwiegend roten und schwarzen Hartplastikkisten und den hölzernen Hochbeeten im Prinzessinnengarten. Wer Lust hat, der kann hier selbst gärtnern oder auch einfach die verarbeitete Ernte im Restaurant des Gartens genießen.

 

Ein Trend geht um die Welt

Der Prinzessinnengarten in Berlin gehört in Deutschland zu den Vorreitern des Gärtnerns in der Stadt. Vor zehn Jahren übernahm ein Kollektiv die Brachfläche am Moritzplatz und machte daraus einen lebenswerten Ort mit Nahversorgung. Aber auch in vielen anderen Städten der Welt müsst ihr als Besucher heute gar nicht mehr lange suchen, bis ihr solche Orte findet. In Vancouver ziehen sich Gemeinschaftsgärten an einem der vielen Radwege bis ins Stadtzentrum, in New York City und vielen anderen Metropolen Nordamerikas haben sich die Menschen das Obst und Gemüse wieder in die Stadt geholt, und damit auch ein neues, altbekanntes Miteinander. Aber auch in anderen Weltregionen, auf Kuba, in Skandinavien kommt die Idee immer besser an. Eine Idee, die eigentlich aus den USA stammt. Dort wurden vor mehr als 40 Jahren die ersten Community Gardens gegründet.

© 2019 Prinzessinnengarten
 

Es geht um mehr als nur die Ernte

Bei den Projekten geht es nicht nur um das Ernten von Lebensmitteln in der unmittelbaren Nachbarschaft. Es geht auch um ein Miteinander. Und so sind die meisten Gruppen, wie die in Berlin, als Genossenschaften organisiert. Der Prinzessinnengarten verstand sich von Beginn an als Ort des Austausches – aus dem Viertel für das Viertel. In den zehn Jahren des Bestehens gab es hier Dutzende Workshops, Konzerte und andere Veranstaltungen – zum Urban Gardening, aber auch einfach zum Spaßhaben oder Weiterdenken.

 

Der Prinzessinnengarten zieht um – und bleibt

Im Herbst wird sich vieles ändern im Prinzessinnengarten. Die Nomadisch Grün gGmbH, seit Beginn Trägerorganisation des Gartens, zieht dann mit vielen Aktiven um und mit allem, was weggetragen werden kann – darunter Bar, Restaurant und vor allem die vielen Kistenbeete. Auf der Fläche des ehemaligen St. Jacobi Friedhofs in Neukölln werden sie als Prinzessinnengarten Kollektiv Berlin weiterarbeiten.

 

Gegen eine Welt aus Glas und Beton

Es ist der nächste, logische Schritt des Urban Gardenings – mit Gärten grüne Freiräume in der Stadt sichern. „Wir wollen eine gelebte Form der Verstetigung des Urban Gardenings, um diese Praxis dauerhaft in Berlin zu verankern“, so beschreibt es das Kollektiv selbst. Auf den ehemaligen Friedhofsflächen gibt es mehr Platz, einen über Jahrhunderte gewachsenen Naturraum mit alten Bäumen und die Möglichkeit, anders als am Moritzplatz, direkt in der Erde zu arbeiten. Gärtnern und Naherholung, Ausspannen und Umweltbildung – all das soll am neuen Standort noch besser nebeneinander möglich sein.

© 2019 Prinzessinnengarten

 

Und was wird aus dem Pilotprojekt?

Der 2009 gegründete Prinzessinnengarten am Moritzplatz steht – einmal wieder – vor einem grundlegenden Wandel. „Wir wollen nicht, dass dieser Ort auch, wie schon so viele andere, zerstört und in eine Monokultur aus Glas und Beton verwandelt wird“, sagt Aktivist Marco Clausen. Das Kollektiv strebt einen „Dauergartenvertrag“ mit der Stadt an. Das Wort spielt auf den Dauerwaldvertrag an, der 1915 einen großen Teil des Berliner Stadtgebiets als Waldfläche festschrieb – heute ist es etwa ein Drittel, einmalig für eine europäische Millionenstadt. Aber natürlich schauen auch Investoren auf den Stadtgarten am Moritzplatz. Wie es dort weitergeht, das zeigt sich wohl frühestens Ende 2019.


Hier geht’s zum Prinzessinnengarten

Ihr wollt vorbeischauen oder sogar mitgärtnern? Kein Problem! Die Vorreiter des Urban Gardenings in Berlin findet ihr mindestens noch bis Ende des Jahres in der Prinzenstrasse 35 – 38 (U8 Moritzplatz).

Der neue Prinzessinnengarten entsteht gerade in der Hermannstraße 99, 12051 Berlin.

 

Montag, Mittwoch und Freitag ist Gartenarbeitstag im Projektgarten, dazu gibt es Workshops, Seminare und Bauwochen. Alle Infos findet ihr unter: prinzessinnengarten.net/kollektiv 

Urban Gardening in Hannover

Auch in Hannover findet ihr eine lebhafte Urban-Gardening-Szene. Darunter ist etwa der Pagalino, der Palettengarten Linden-Nord am dortigen Freizeitheim. Oder der neue Küchengarten am Ihmezentrum, oberhalb des beliebten Küchengartenplatzes. Es gibt gleich mehrere Internationale Stadtteilgärten in Hannover – zum Anbau von Gemüse und zum Abbau von Vorurteilen. Die Gärten im Sahlkamp, in Hainholz und in Linden-Süd sind explizit auch für ein Zusammentreffen von Menschen mit unterschiedlichster Herkunft gedacht.

Urban Gardening am PLATZprojekt

Immer wieder entstehen aber auch temporäre Aktionen, die zeigen sollen, wie eure Stadt mit mehr Gartengrün aussehen könnte. So wuchsen 2013 einen Sommer lang in vielen Holzkisten Gemüse und Kräuter auf dem Theodor-Lessing-Platz zwischen Maritim Grand Hotel und Kubus. Und dann gibt es noch den Vermehrungsgarten von den Aktivisten um Kornelia Stock. Wer keinen eigenen Garten hat, kann hier mitgärtnern – mitten in der Stadt, direkt in der Erde, an der Bauernwiese in Ricklingen.

Von den Ackerbürgern bis zum Urban Gardening

Die Geschichte des Gärtners in der Stadt

Der Ackerbau und damit die Selbstversorgung war und ist schon immer ein wichtiger Bestandteil der Menschheitsgeschichte. Wenn ihr aufmerksam durch eure Stadt geht, entdeckt ihr nicht nur im ehemaligen Scheunenviertel in Berlin-Mitte Namen wie Acker- oder Gartenstraße, seht ihr große Holztore in alten Häusern, durch die noch vor hundert Jahren Pferdewagen die Ernte der sogenannten Ackerbürger gebracht haben. Doch mit dem Beginn der Industrialisierung begannen die Städte immer mehr zu wachsen. Ebenezer Howard schrieb Ende des 19. Jahrhunderts sein Buch „Garden Cities for Tomorrow“ („Die Gartenstadt“). Howard forderte, nur noch übersichtlich große Städte zu planen, die ausreichend Grünflächen für die Ernährung ihrer Bewohner bereithielten. Kurz nach Erscheinen des Buches gründete sich in Berlin die Deutsche Gartenstadtgesellschaft – ein Vorläufer der genossenschaftlich denkenden Urban-Gardening-Bewegung vom Moritzplatz. Parallel etablierte der Arzt Moritz Schreber die Kleingartenidee zur Selbstversorgung, lange belächelt, mit dem Ersten Weltkrieg dann aber schnell zu einer bis heute bestehenden Institution in deutschen Städten geworden. Naherholung, Selbstversorgung und ein Miteinander – all das vereint das Urban Gardening.

Urban Gardening auf dem Balkon

Das Stadtgärtnern kann euch auf dem Stadtbalkon eine Menge Freude machen. Die meisten Urban-Gardening-Flächen arbeiten mit Hochbeeten, sind also auch für euren Balkon geeignet. Wichtig ist auch hier der Standort, auf dem Nordbalkon wird die Johannisbeerernte eher gering ausfallen. Bei überdachten Balkonen ist das Gießen wichtig – oder ihr greift zu Balkonkästen mit Wasserspeichern im Boden.

Gut gehen Pflanzen, die nicht zu lange Wurzeln brauchen. Tiefwurzler wie Mangold, Karotte oder Artischocke passen nicht ideal auf den Stadtbalkon, Flachwurzler wie Kartoffeln, Radieschen oder Feldsalat schon besser. Tipp: Grüner Salat in wärmespeichernden Tontöpfen, die meisten Sorten können immer wieder von Außen her geerntet werden – so gibt es täglich ein paar Blätter gesunden Salat.

Gerade bei kleinen Balkonen sind vertikale Gärten eine tolle Idee. Bastler können alte Paletten bepflanzen, es kann aber auch ein altes Bücherregal sein, das ihr an die Rückwand des Balkons stellt und dann reichlich mit Blumen in Kästen und Töpfen bepflanzt. Für die ganz ambitionierten: Erde ist schwer, nass wird sie noch schwerer. Achtet also auf das Höchstgewicht für den Balkon!

Hier könnt ihr mitmachen

In Hannover

 

In Celle

 

In Göttingen 

 

In Braunschweig


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