Wohnstile im Wandel: der Jugendstil - dekorative Architektur des Fin de siécle Wohnformen

6 min Lesezeit

Carolina Karlsson • September 2021

Mit dem Wohnen ist es wie mit der Mode: Die verschiedenen Einrichtungsstile - wie etwa der Jugendstil - unterliegen einem steten Wandel. Dabei hat jedes Jahrzehnt seinen ganz eigenen Charme. Viele der beliebten Klassiker lassen sich zwar einer bestimmte Epoche zuordnen, gelten aber als absolut zeitlos. Und so finden wir auch heute noch zahlreiche Elemente der verschiedenen Wohnstile aus vergangenen Zeiten in den aktuellen Interieur-Trends wieder.

Wir werfen daher nicht nur einen Blick auf die Wohnstile im Wandel der Zeit, sondern führen dich ebenso durch unterschiedliche Wohntrends der Vergangenheit. Gleichzeitig klären wir in diesem Artikel die Frage: Wie sieht eine moderne Einrichtung im Jugendstil eigentlich heute aus?

Was ist Jugendstil eigentlich?

Die Kunst des Jugendstils wird gerne als „Ästhetik für Jedermann“ bezeichnet. Ihre Blüte erlebte die Jugendstil-Architektur zu Beginn des 20. Jahrhunderts und war vor allem in Deutschland unter diesem Namen bekannt. Wusstest du zum Beispiel, dass der Jugendstil nach der Münchner Kunstzeitschrift „Jugend“ benannt wurde? Über die deutschen Landesgrenzen hinaus war die Kunstbewegung hingegen unter dem Namen „Art Nouveau“ bekannt. Ihr Ruf: eine junge, moderne und originelle Stilrichtung.

Ihre Wurzeln hat die "Art Nouveau" dabei unter anderem in „Arts and Craft“, was eine englische Gegenbewegung und Antwort auf die sich durchsetzende Industrialisierung war. Gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die handwerkliche Tradition durch ein extremes Wachstum an Massenproduktion nahezu überrollt. „Arts and Craft“ hatte sich zum Ziel gesetzt, das wertvolle Kunsthandwerk zu bewahren. Dagegen ist beispielsweise der Minimalismus als Lebensstil gänzlich anders.

Jugenstil-Architektur und ihre Merkmale: ein Mix aus Funktionalität und Ästhetik

Vielleicht war der Jugendstil der dekorativste Stil des 20. Jahrhunderts! Neben kurvigen Linien und asymmetrischen Mustern schätzen wir die "Art Nouveau" auch heute noch vor allem wegen ihrer dekorativen Qualitäten. Sehr beliebt waren auch aufwendig gestaltete Ornamente aus der Pflanzen- sowie Tierwelt. Im Vordergrund stand zudem nicht allein die Ästhetik, sondern ebenso die Funktionalität der designten Möbelstücke. Als besonders typisch für den Jugendstil galt etwa ein Sofa mit geschwungenen Formen sowie Beschlägen aus Bronze, Stahl oder Gusseisen, welche als Spiralen, Schnecken, Blumen oder Ranken gestaltet wurden. Die floralen Ornamente des Jugendstils brachten Schwung, Eleganz und Sinnlichkeit in die damalige Epoche.

Die Farben des Jugendstils

Kennzeichnend für den Jugendstil ist außerdem eine gedeckte Farbgebung. Verschiedene Grüntöne oder auch pastellige Nuancen wie Creme, Flieder, Olive sowie Senfgelb entspannen dabei die Sinne und bringen die geschwungenen Linien des Wohnstils besser zur Geltung. Als dekorativer Kontrast kommen vor allem kräftige Farben wie Gold oder Royalblau infrage.

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So geht eine moderne Einrichtung im Jugendstil heute

Obwohl die modernen Wohnstile häufig wechseln und gefühlt jedes Jahr ein anderer Trend in den Vordergrund rückt, lassen sich auch heute noch Elemente des Jugendstils in zahlreichen Häusern entdecken: denken wir nur einmal an schmuckvolle Altbaufassaden oder geschwungene Treppengeländer im Inneren. Außerdem wohnen wir ja auch nicht zwanzig Jahre mit der gleichen Wohnwand zusammen, sondern erfinden uns und unser Zuhause immer wieder neu. Gleichzeitig sorgen viele Designer mit ihren It-Pieces im Jugendstil für die unterschiedlichsten Neuinterpretationen, welche zum Eyecatcher in unseren vier Wänden avancieren.

Möchtest du eine moderne Wohlfühloase im Jugendstil gestalten, kannst du dich gerne an diesen drei Tipps orientieren:

1. Setze auf geradlinige Möbel!

Das mag auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt dem typischen Jugendstil entsprechen, aber der verspielte Look von Kissen, Leuchten, Mustern und Co. schafft zu modernem Interieur mit klaren Kanten einen besonders stilvollen Kontrast. Zusätzlich lenken die Möbel im Raum so nicht von den Elementen ab, welche sich dadurch prima entfalten können.

2. Greife die jeweilige Farbgebung auf!

Oftmals ist die Kunst des Jugendstils in sehr gedeckten Farben gehalten. Diese Eigenschaft eignet sich wunderbar, um die jeweiligen Nuancen durch Möbel oder Wohnaccessoires im Raum elegant aufzugreifen. Diese Vorgehensweise schafft einen ganzheitlichen Look und sorgt für ein harmonisches Gesamtbild in deinem Zuhause.

3. Weniger ist mehr!

Das gilt vor allem beim Jugendstil. Schnell können geschwungene Ornamente sowie florale Formen überhandnehmen und das Ambiente in eine kitschige Richtung drängen. Grundsätzlich sollte eine Dekoration im Jugendstil immer für sich allein wirken und dabei nicht in den Vordergrund gerückt werden. Die besondere Atmosphäre ist hier oft erst auf den zweiten Blick erkennbar, macht aber den einzigartigen Reiz dieser Einrichtung aus. Wem das noch zu schlicht ist und wer von Mustern und kräftigen Farben nicht genug bekommt, kann sich auch an die Königsdisziplin der Einrichtungsstile, den Maximalismus, wagen.

Längst ist eine stilvolle Einrichtung im Jugendstil-Chic keine Frage einer vergangenen Epoche mehr. Viel mehr kommt es mittlerweile darauf an, den jeweiligen Wohnstil gekonnt zu kombinieren und dem eigenen Zuhause somit ein modernes Flair mit dem Charakter des Jugendstils zu verleihen.


Carolina Karlsson

Geboren und aufgewachsen in Norddeutschland, ist Carolina Karlsson freiberufliche Online-Redakteurin und Bloggerin. Neben ihrer Leidenschaft für den skandinavischen Stil widmet sie sich unter anderem auch kleinen Upcycling-Projekten sowie Themen rund um einen bewussteren Lebensstil.


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