Wohnen im Winter Wohnen

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zukunftswaende • November 2020

Was tun, wenn's friert!

Der Winter sieht überall auf der Welt anders aus. Und so auch die Häuser und die Gewohnheiten der Menschen, die mit dem Winter leben.

Wenn es sein muss, ist der Mensch unglaublich erfinderisch. Die frühesten Geistesblitze sollten das Überleben sichern – mit Wohnformen, die unsere Ahnen vor Hitze, Nässe, Kälte oder Wind schützten. Über Jahrtausende ist dabei eine praktisch unendliche Vielfalt an Bauweisen entstanden. Architektur, die sowohl vom Klima vor Ort geprägt war als auch vom Baumaterial, das es dort zu finden gab, und die zugleich ein wichtiger Bestandteil von Kultur und Tradition darstellte. Und so lebten und leben bis heute Menschen hinter Wänden aus Torf, Lehm, Stroh, Schilf, Papier, Stein, Ziegel, Holz, Tierfellen oder Baumrinde. Das schönste Beispiel vielleicht: das Iglu – ein Haus aus Schnee gegen die Kälte.

Traditionelle Bauweisen, die wieder modern sind

Je nachdem, in welcher der fünf Klimazonen man lebt – tropisch, trocken, gemäßigt, kontinental oder polar – kann Winter alles bedeuten: von warm bis unfassbar kalt. Heute mögen sich Städte auf allen Kontinenten immer ähnlicher werden. Und doch haben sich manche Bauweisen und das Leben im Innern gegen jede globale Gleichheitsbewegung in die Moderne gerettet.

Im kalten Norden zeigen die Fenster zur Sonne

Architektur kann dabei helfen, das Ungemütliche draußen und das Schöne herein zu lassen. Lebt man in warmen Regionen, sind die Fenster oft klein, im arabischen Raum etwa sorgen kunstvolle Ziegelwände mit Sichtschlitzen für sanften Schatten und Luftzirkulation. In skandinavischen Ländern sind die Fensterfronten der Häuser dagegen oft so konzipiert, dass die flach stehende, wärmende Wintersonne ins Gebäude gelangt.

Zudem sieht man an der massiven Bauweise aus ganzen Baumstämmen den zweiten Fokus: Die Wärme soll mit guter Isolierung im Wohnraum bleiben. Sehen kann man beide Ansätze auch auf den klassischen Bauernhöfen in den Alpen. Diese sind eigentlich immer nach Süden ausgerichtet und oft in einen Hang eingebettet. Die Form des Hauses ist klein und gedrungen. Bäume und Hügel sollen den Wind brechen, und die Vorratsräume sind in Erdkellern versteckt. Wer in einem Passiv- oder Ökohaus lebt, weiß, dass diese Prinzipien längst auch den Weg in die moderne Architektur gefunden haben.

Grasdächer sind heute beliebt – schon den Wikingern boten sie Winterschutz

In Island halten sich seit Wikinger-Zeiten die mit Gras bewachsenen Häuser, die direkt aus der Erde zu wachsen scheinen. Sie sind robust und halten dem rauen Klima stand. Eine moderne Form der Grünbedachung erfreut sich gerade weltweit immer größerer Beliebtheit. Noch harscher als in Island ist das Klima für die indigene Gruppe der Central Inuit, für die das Iglu oft die einzige Winterunterkunft ist. Diese Iglus können einen Durchmesser von bis zu zehn Metern erreichen, mit Platz für bis zu 100 Menschen. Die indigenen Völker im hohen Norden wappnen sich zudem mit Naturmaterialien gegen den Winter und haben für verschiedene Zwecke verschiedene Felle – ob nun fürs Schlafen, Wandern oder Jagen.

Wärme speichernde Materialien sind in den kalten Regionen der Erde besonders beliebt, aber auch in eher gemäßigten Gefilden wie im Norden Deutschlands. Lehm etwa, diese natürliche Mischung aus Sand, Schluff und Ton, speichert Wärme und reguliert zudem die Luftfeuchtigkeit im Raum. Das sorgt für ein angenehmes Raumklima. Und Lehm wirkt auch, wenn's mal wärmer wird: In einem Kellerraum mit Lehmboden halten sich Obst und Gemüse länger frisch.

Das Beste am Winter: Wohnzimmer-Gemütlichkeit

Selbst, wenn man ein gutgedämmtes Haus gegen den Winter besitzt: Die Jahreszeit bleibt dunkel und kalt. Doch gegen den Winterblues kann man etwas tun! Ein Einrichtungsstil, um es sich in seinem Zuhause gemütlich zu machen, lautet: Hygge. Dieses von den Dänen tief verinnerlichte Lebensmotto funktioniert auch außerhalb der Landesgrenzen – etwa in Großbritannien oder bei uns. Wer hyggelig lebt, genießt den Augenblick und schafft sich Glücksmomente, so eine Definition. Ein Klassiker: Lesen, eingemümmelt in eine Wolldecke, mit Blick auf Kerzen.

Feuerstellen sind das „Tulpenbeet eines Wintertages“

Überhaupt, das Feuer. Vor rund 30.000 Jahren entdeckten Menschen den Funkenflug, als ein Feuerstein auf ein Stück Pyrit geschlagen wurde. Von da an wurde es gemütlicher. Schon im alten Persien nannte man Feuerstellen das „Tulpenbeet eines Wintertages“. Brennt irgendwo ein Lagerfeuer, stellen wir uns davor, schauen hinein und lächeln meist. Und weil die wohlige Wärme bis heute funktioniert, holen wir uns Kaminöfen, Heizkamine und Kachelöfen ins heimische Wohnzimmer. In Deutschland liegt die Zahl bei mehr als zehn Millionen sogenannter häuslicher Feuerstätten. Auch viele alte Häuser werden mit markanten silbernen Außenschornsteinen nachgerüstet. Wenn das kleine Feuer in der Brennkammer langsam die großen Scheite erfasst, es knistert, knarzt und zischt, Flammen erst bläulich und dann orangegelb flackern, wird es warm in der Wohnstube – und es wird uns warm ums Herz.

Wir schauen gerne ins Feuer, in Sibirien ist es überlebenswichtig

Für uns im Norden Deutschlands ist das Drinnen-Feuer eher „nice to have“. In anderen Gegenden der Welt ist es überlebenswichtig. Die Menschen im Dörfchen Oimjakon in Sibirien etwa stehen in der Nacht auf, um nach dem Feuer zu schauen – sinkt die Temperatur im kältesten Dorf der Welt doch regelmäßig auf unter -50 Grad Celsius. Ein geflügeltes Wort in Russland: In der Kälte lässt man niemanden allein. Also trifft man sich in der Banja, dem typisch russischen Dampfbad. Der Bau aus Holzstämmen besteht meist aus einem Auskleidezimmer, dem Waschraum und dem eigentlichen Schwitzraum, in dem man sich gerne mit Birkenzweigen auf den Körper schlägt, um die Blutzirkulation anzuregen. Das Schwitzen, besonders im Wechsel mit einem Gang ins Kalte, stärkt das Immunsystem und härtet für den russischen Winter ab.

Es gibt sogar Geschichten aus Sibirien, nach denen manche Bauern früher in eine Art Winterschlaf verfallen sein sollen und nur einmal am Tag wach wurden, den Ofen befeuerten und aßen. Heute würden wir das wohl Hygge nennen.


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Ein ausgewähltes Redakteurs-Team der LBS Nord beschäftigt sich mit zukunftsweisenden Inhalten rund um die Themen Wohnen, Leben und Zeitgeschehen. Dabei ist es den kleinen Dingen im Leben auf der Spur, die das eigene Zuhause größer machen.


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