Wohne lieber ungewöhnlich Wohnen

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zukunftswaende • April 2021

Es müssen nicht immer vier Wände sein

Das Schönste am eigenen Zuhause? Dass es so sein kann, wie du es haben willst! Im Flugzeug, auf der Ritterburg oder im Recyclinghaus aus alten Autoreifen – wir zeigen außergewöhnliche Wohnorte und was man bei der Realisierung seiner Wünsche beachten muss.

Der US-Amerikaner Bruce Campbell hat sich seinen Wohntraum längst erfüllt. Der Ingenieur lebt in einer Boeing 727 in einem Waldstück in der Nähe von Portland im Bundesstaat Oregon. Rund 200.000 Euro hat er für das ausrangierte Flugzeug bezahlt, in viel Kleinarbeit den Passagierjet zu einem Zuhause gemacht – und das Cockpit zum Lesezimmer. Und weil ein erfüllter Traum ja manchmal nur noch halb so schön ist, will er nun in eine größere Boeing 747, einen Jumbo-Jet, umziehen. Dream big, wie man in den USA sagt.

Wohnen im Hund? Die USA sind das Land der unbegrenzten Wohnmöglichkeiten

In den USA gibt es viel Platz, die Nachbarn sind oft weit weg und Geld ist bei vielen auch genug da, um außergewöhnliche Wohnorte real werden zu lassen. Bruce Campbells Flugzeug ist da nicht allein. Nur ein Beispiel: In der Stadt Cottonwood im Bundesstaat Idaho etwa steht ein Haus, das aussieht wie ein riesiger Beagle. Der Traum vom ungewöhnlichen Wohnen ist grenzenlos. Nur ist er nicht überall auf der Erde gleich leicht umzusetzen. In manchen Weltregionen gibt es kaum Vorschriften, wie ein Zuhause aussehen soll. Gerade in dünn besiedelten Gegenden entstehen eben auch nicht so viele Konflikte mit der Nachbarschaft wie in unserem engeren gebauten Deutschland.

In Deutschland gelten strenge Bauvorschriften

In Deutschland gibt es recht strenge Bauvorschriften, die größtenteils durch das Baugesetzbuch (BauGB) geregelt sind. Das Baurecht zeigt an, ob ein Grundstück überhaupt bebaut werden darf und wenn ja, für welche Nutzung. Zentrale Bestimmungen sind im Grundbuch des Grundstücks eingetragen, sie hängen von der Lage ab und auch von dem durch die zuständige Gemeinde vorgegebenen Rechtsrahmen. Klingt kompliziert, aber was erlaubt ist und was nicht, lässt sich meist schnell beim zuständigen Bauamt erfragen.

Mit einer schriftlichen Antwort weiß man dann sicher, dass in manchen Regionen im Sauerland die Dächer mit Schiefer oder in Schieferoptik gedeckt sein müssen. Anderswo muss das Dach wiederum rot sein, und fast überall darf das Haus nur eine bestimmte Höhe haben. Ein Flugzeug-Zuhause wie das von Bruce Campbell ließe sich in Deutschland nur schwer als Wohnraum anmelden. Brandschutz und Mindestdeckenhöhe wären schon erste Ausschlusskriterien, in einem gültigen Bebauungsplan widerspräche mindestens die Dachform gegen gängige Vorgaben. Wer plant, einen Wohntraum in die Tat umzusetzen, sollte sich auf jeden Fall mit den Behörden in Verbindung setzen. Auch Architekt:innen können die Umsetzbarkeit großer Pläne meist schnell einschätzen.

Burgen, Leuchttürme, Lofts – auch in Deutschland finden sich außergewöhnliche Wohnorte

Wenn der Wohntraum nicht gerade ein Flugzeug sein muss, gibt es auch hierzulande viel Potenzial für das besondere Zuhause. Historische Burgen im Rheingau sind dabei genauso zu haben wie Wasserschlösser in Mecklenburg-Vorpommern oder Leuchttürme an der Nordsee. Man kann sich alte Industriebauten zu wunderbaren Lofts umbauen oder aus Fachwerkhäusern ein entkerntes, großzügiges Zuhause. Der Denkmalschutz macht manchen Umbau schwierig – andererseits kann hier die besondere Förderung den Wohntraum erst möglich machen.

Leben in der Kirche: Das Loft mit dem sakralen Etwas

Wer es etwas sakraler mag, findet vielleicht in der Kirche sein Zuhause. Kirchen sind eigentlich die Verbindungshäuser von der Erde zu etwas Höherem. Weil aber die Zahl der Mitglieder der beiden großen christlichen Glaubensgemeinschaften in Deutschland stetig sinkt, braucht es auch immer weniger Kirchengebäude. Und die, oft mitten in den Ortszentren gelegen, finden auch immer öfter eine Nutzung als Privathaus. Der Architekt Stefan Grattolf hat mit seiner Frau eine ehemalige Kirche im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg zum Wohnloft umgebaut, mit Gästezimmer in der alten Sakristei und einer Stereoanlage. In Immobilienanzeigen finden sich immer wieder Kirchengebäude, aktuell etwa eine im Jahr 1276 erbaute Kirche in Konstanz mit knapp 700 Quadratmeter Wohnfläche.

Ein Tiny House ist das Größen-Gegenteil zur Kirche – und für viele doch ein riesiger Traum. Der geringe Wohnraum der Mini-Häuser zwingt zum Fokus auf das Wesentliche. Und wer drinnen weniger Platz hat, geht öfter raus – das ist gesund und kommunikativ. Für alle, die das Leben auf engem Raum erst einmal ausprobieren wollen, eignet sich ein Bau- oder Zirkuswagen. Dieser lässt sich ganz einfach zu einem gemütlichen Gartenhaus umbauen. Und der Wohntraum im Grünen kann beginnen.

Stroh, Holz, Autoreifen: Der nachhaltige Wohntraum

Nachhaltigkeit wird heute beim Bauen immer wichtiger. Mancher Aspekt von einem grünen Wohntraum ist von außen gar nicht zu sehen – wenn etwa das Gerüst eines Hauses nicht aus Beton oder Stein besteht, sondern aus Strohballen oder Holz. Mit diesen nachwachsenden Rohstoffen können heute schon vielgeschossige Häuser gebaut werden. Wer es noch sichtbarer und extravaganter mag, findet in Mike Reynolds ein Vorbild. Der Mann aus dem amerikanischen Bundesstaat New Mexiko gilt als Erfinder der Earthships, der „Erdschiffe“. „Diese Häuser sind radikal nachhaltig gebaut“, sagt er. Reynolds hat schon in den 1970er Jahren begonnen, Häuser aus mit Erde gefüllten Autoreifen zu bauen. Reifen werden allein in Deutschland jedes Jahr zu Hunderttausenden weggeworfen. Über die Jahre hat Reynolds seinen Stil verfeinert, manche Häuser sind an drei Seiten von Erde umschlossen, die offene Seite ist aber voll verglast. Es entsteht ein Gewächshaus, das mit Wasserkühlung oder Kaminofen je nach Standort alltagstauglich wird. Weltweit soll es mittlerweile mehr als 1000 solcher Earthship-Häuser geben, auch in Deutschland findet man eines in der Nähe von Nürnberg.

Grüner wird’s nicht – Wohnen im echten Gewächshaus

Das Leben im Gewächshaus gibt es nicht nur für die Fans der Earthships. Auch Thomas und Monika Till haben sich den Traum vom geschützten Leben inmitten von Grün erfüllt. Die beiden leiten eine Gärtnerei in Sachsen, soweit nicht ungewöhnlich. Doch das Paar hat sich inmitten eines riesigen Gewächshauses ein 120 Quadratmeter großes Steinhaus gebaut. Tagsüber stehen also die Kund:innen praktisch auf ihrer Terrasse, wenn sie sich im Gewächshaus Stauden oder Kräuter aussuchen. Nach 19 Uhr haben die Tills den regensicheren Wohntraum mit Grün dann für sich und können unter Wein und Palmen den Feierabend genießen.

So unterschiedlich die von uns vorgestellten Häuser auch sein mögen, eines haben sie doch gemeinsam: Sie sind lebendig gewordene Wohnträume von Menschen, die ihrer Fantasie freien Lauf gelassen haben und etwas Besonderes für ihr Leben wollten. Finden wir grandios.


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Ein ausgewähltes Redakteurs-Team der LBS Nord beschäftigt sich mit zukunftsweisenden Inhalten rund um die Themen Wohnen, Leben und Zeitgeschehen. Dabei ist es den kleinen Dingen im Leben auf der Spur, die das eigene Zuhause größer machen.


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