Das Tiny House Wohnen

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zukunftswaende • November 2019

Maximales Ich auf minimalem Raum

Drei Zimmer, Küche, Bad und einen vollen Keller. Wir haben so viel. Und davon mehr als genug. Und trotzdem fühlt sich unser Leben manchmal nur halb so vollkommen an, wie wir es uns erträumt haben. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Sicher ist nur: zu viel ist zu viel. Wir schwimmen im materiellen Überfluss – so kann es sein, dass uns auch die schönen Dinge irgendwann bis zum Hals stehen. Dann ist es Zeit, sich auf das Wesentliche zu besinnen! Es heißt: Wer sich heute minimiert, entscheidet sich für das ganz große Leben. Im Mittelpunkt steht dabei für viele Menschen das eigene Zuhause. Dieses hat zwar meistens vier Wände, aber muss nicht immer groß gebaut sein, um uns einen sicheren Hafen zu bieten. Daran glaubt seit Jahrzehnten auch eine inzwischen sehr populäre gesellschaftliche Strömung aus den USA: das „Tiny House Movement“. Die Bewegung gibt nicht nur eine architektonische Antwort auf den Platzmangel in unseren Städten, sondern ist zu einer Lebenseinstellung herangewachsen. Das so genannte „Downsizing“ soll uns dabei helfen, nicht nur unseren Kleiderschrank, sondern auch unser Leben aufzuräumen – uns von überflüssigen Habseligkeiten zu lösen. Und wortwörtlich „gesundzuschrumpfen“.

Ein großartiges Zuhause

Das „Tiny House“, auch „Small House“ genannt, hat im Durchschnitt eine Grundfläche von 10 bis 50 Quadratmetern – statische Mini-Häuser können mit bis zu 90 Quadratmetern auch mal etwas größer ausfallen. Auf Rollen, fest im Boden verankert oder mit schwebendem Fundament auf Stelzen – der Bau eines Mini-Hauses ist an Auflagen gebunden, aber trotzdem verhältnismäßig frei in der Gestaltung. Schon Löwenzahn-Moderator Peter Lustig wusste: ein Zuhause muss nicht groß gebaut werden, um großartig zu sein. So wird aus dem Bauwagen, einem alten Schiffscontainer oder einem modularen Fertighaus aus Holz, ein Zuhause, das genau den eigenen Bedürfnissen entspricht. Ausgestattet mit einer Kochnische, einem Bad mit Dusche und oft auch einer zweiten Ebene zum Schlafen, hat es auf wenigen Quadratmetern all das, was wir zum Leben brauchen.

(Foto: cabinspacey.com)

 

Flexibel wohnen

Dank seiner Flexibilität ist das „Tiny House“ ein architektonisches Sinnbild für unseren Zeitgeist: Heute arbeiten viele Menschen dank der Vernetzung über das Internet ortsunabhängig. Ein fahrbares Zuhause passt perfekt zum freien Lebensstil digitaler Nomaden. Aber „Tiny Houses“ müssen nicht immer auf einem mobilen Fundament wie einem Anhänger stehen, um uns einen flexiblen Lebensraum zu ermöglichen. Das Leben ändert sich. Wir bewegen uns. Und das eigene Zuhause kommt einfach mit. Wer ein "Tiny House" bewohnt, braucht sich während eines Umzugs deutlich weniger Sorgen zu machen: Finde ich in der fremden Stadt eine passende Wohnung? Wovon träume ich die erste Nacht im neuen Bett? Finden auch die restlichen Möbel ihren Platz? Veränderung kann große Unsicherheiten mit sich bringen. Wie gut, dass sich manchmal nur die äußeren Umstände ändern und nicht das eigene Zuhause.

Kleines Haus mit großen Vorteilen

Ob als Ferienhaus, Raumergänzung oder Hauptwohnsitz – das „Tiny House“ ist ein kleines, aber vollwertiges Zuhause. Auch wenn Mini-Häuser längst keine Neuheit mehr auf dem Immobilienmarkt sind, wächst die Liste an Vorteilen weiterhin. Es gibt wohl kaum ein Wohnkonzept, das zeitgemäßer ist, als ein flexibles Zuhause. Nach anderen Argumenten für ein „Tiny House“ muss nicht lange gesucht werden: die Mini-Häuser gelten als günstig und nachhaltig. Mit einem Mindestpreis von ca. 15.000 Euro sind sie verhältnismäßig erschwinglich – so stehen ein eigenes Zuhause und ein begrenztes Budget nicht mehr im Widerspruch zueinander. Eigentlich ist es ganz einfach: Ein kleines Haus braucht nur ein kleines Grundstück, das zu einem kleinen Preis erworben werden kann. Wer wenig Platz hat, konsumiert weniger. Wer wenig konsumiert, produziert weniger Müll. Je weniger desto besser. Das „Tiny House“ gilt als besonders flächensparend und versiegelt nur ein Minimum an nutzbarem Boden. Der sogenannte „Flächenfraß“ ist eines der großen Probleme urbaner Landschaften.

(Foto: cabinspacey.com)
 

Nachhaltig wohnen

In Zeiten der Ressourcenknappheit ist ökologisches Umdenken gefordert. Den meisten „Tiny House-Anhängern“ ist es deshalb nicht nur wichtig Geld zu sparen, sondern auch wertvolle Ressourcen. Sie setzen auf ökologische oder recycelte Baustoffe. Wer langfristig Energie sparen will, sollte vor allem auf eine optimale Dämmung und hochwertige Baumaterialien achten, um den Verbrauch so gering wie möglich zu halten und mit einem kleinen ökologischen Fußabdruck durch die Welt zu stapfen. Eine geringe Wohnfläche zieht auch eine geringe CO2-Emission mit sich: diese lässt sich nach einer Studie der amerikanischen Saint John’s Universität durch die Halbierung des Wohnraumes um ganze 36 Prozent verringern. Eine andere Studie besagt, dass sich im Vergleich zu einem Mehrfamilienhaus mit einem „Tiny House“ von etwa 17 Quadratmetern rund 11,8 Tonnen CO2 jährlich einsparen lassen. Wer energetisch umdenkt, kann sogar noch mehr einsparen, um auf minimalem Raum ein Maximum an Nachhaltigkeit zu gewinnen.

Umweltfreunde statten ihr kleines Zuhause gerne mit Solarzellen fürs Warmwasser, einer Photovoltaik-Anlage für die Stromerzeugung und einer Komposttoilette aus und sammeln Regenwasser für Abwasch und Spülung. Auch wenn sich einige „Tiny House Besitzer“ dazu entschließen, sich der Unabhängigkeit wegen autark mit Energie zu versorgen, hat ein fester Standort für das kleine Zuhause klare Vorteile: stetig voll funktionsfähige Sanitäranlagen durch die Verbindung zur örtlichen Kanalisation und Wasserzufuhr. Wie die energetische Versorgung, kann auch drumherum alles nach dem eigenen Geschmack und Bedürfnis gestaltet werden. Für die meisten Eigentümer üblicher Häuser ist der eigene Garten die Welt. Für die „Tiny House Community“ wird die Welt zum Garten – voller grenzenloser Möglichkeiten. Das Wohnkonzept lebt durch die Freiheit und Offenheit, die durch eine kreative und minimalistische Community entsteht. Durch Werte, die von außen nach innen getragen werden und das eigene Zuhause bereichern.

(Foto: cabinspacey.com)
 

Das kleine Zuhause wächst

Das „Tiny House Movement“ ist nicht nur in Amerika ein gelebtes Wohnkonzept, sondern erobert auch Deutschland – langsam, aber sicher klein. Zahlreiche Projekte sind bereits angelaufen und belebt oder befinden sich in der Planungsphase und sind gespannt auf kreative Impulse, Zuwachs und Unterstützung von außen. Mitten auf dem Bauhaus-Campus in Berlin gedeiht die sogenannte „Tiny House University“. Dort wurde seit 2015 nachhaltig gebaut – und heute wird in neun Mini-Häusern nachhaltig gelebt, gebacken und gearbeitet. In einer „Tiny House Siedlung“ lässt sich eine soziale Nachbarschaft auf kreative Weise erforschen. Eine Gemeinschaft wächst meist aus einer gemeinsamen Vision.

Tiny House Village im Fichtelgebirge

In Schleswig-Holstein wird aus einem weit verbreiteten Immobilientraum Wirklichkeit: Ein eigenes Haus am See. Vor Bad Segeberg soll ein gut angebundenes „Tiny House Dorf“ in Hanglage entstehen. In der knapp 650 Kilometer entfernten Gemeinde Mehlmeisel im Fichtelgebirge wächst derzeit das erste „Tiny House Village“ der Republik heran. Das Ziel: den ökologischen Fußabdruck gemeinsam zu reduzieren. Auf 17.000 Quadratmetern, einem ehemaligen Campinglatz, soll eine nachhaltige und funktionierende Gesellschaft entstehen und wachsen. 30 Bewohner hat das Dorf bereits und es werden immer mehr. Hier werden nicht nur die gleichen Lebensvorstellungen, sondern auch die Waschmaschinen geteilt. Auch auf dem Gelände: Das „Tiny House Hotel“. Wer sich noch nicht sicher ist, ob das Leben auf kleinstem Raum zu ihm passt, kann zur Probe in einem Mini-Haus wohnen.

 

Zukunftsorientiert wohnen

„Hauptsache Haus!“, was gestern noch spießig war, ist heute der Inbegriff einer neuen Freiheit. Einer, die jung ist, die unter die Haut geht und die sich gewaschen hat – in einem zwei Quadratmeter großen Badezimmer. Mit den „Tiny Houses“ ist in unseren Lebensraum sicher auch ein Stück Zukunft gezogen – und kann genauso aussehen wie wir sie uns wünschen. Denn in einem Mini-Haus reichen die eigenen Möglichkeiten weit über die Solarplatten auf dem Dach hinaus.

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Ein ausgewähltes Redakteurs-Team der LBS Nord beschäftigt sich mit zukunftsweisenden Inhalten rund um die Themen Wohnen, Leben und Zeitgeschehen. Dabei ist es den kleinen Dingen im Leben auf der Spur, die das eigene Zuhause größer machen.


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