Wilde Schätze: Auf zur Kräuterwanderung

Nachhaltiger Lebensstil

6 min Lesezeit

Helene Kilb (Textkonfekt) • Mai 2022

Sie wachsen meist unmittelbar vor unserer Haustür – und bleiben dennoch oft unerkannt: Wildkräuter. Eine Kräuterwanderung hilft, die Natur mit anderen Augen zu sehen, altes Heilwissen neu zu entdecken und Abwechslung in die eigene Küche zu bringen.

Kräuterführung – Auf der Suche nach Wildkräutern

Wenn Andrea Kurtz – Expertin für Kräuterwanderungen - Lust auf einen Salat bekommt, schlüpft sie in ihre roten Halbschuhe, zieht den Reißverschluss ihrer blauen Vliesjacke hoch und legt sich den Gurt ihrer Umhängetasche quer über die Brust. Sie zieht die dunkelbraune Haustür hinter sich zu, über die sich jetzt im Frühjahr die hellvioletten Blüten des Blauregens neigen. Einige Straßen weiter enden die Häuserreihen, der Asphalt geht in sandfarbenen Schotter über. Vögel trillern, rechts und links Bäume und Sträucher, davor erstreckt sich ein Teppich aus Blättern. Wo nicht geschulte Augen nur Grün sehen, geht Andrea Kurtz in die Hocke: „Hier kommen schon die ersten Brennnesseln“, sagt sie, „daneben wachsen Kletten-Labkraut und Scharbockskraut, das sich gut als Salatpflanze eignet.“ Sie pflückt eins der Blätter und reicht es herüber. Es schmeckt ungewohnt, wie ein festes Salatblatt und leicht nussig.

Giersch, Schafgarbe, Spitzwegerich oder Mädesüß: Andrea Kurtz kennt sie alle – und davon profitieren auch die Teilnehmer:innen ihrer Kräuterwanderungen. Vor über 15 Jahren fiel ihr zufällig der Katalog eines Kräuterversands in die Hände. „Bei jeder Pflanze stand etwas über die Heilwirkung“, erzählt sie. „Ich fand es so faszinierend, was man alles mit Pflanzen machen kann. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen.“ Sie begann, bei Kräuterwanderungen Wildkräuter zu sammeln und zu verarbeiten, besuchte Fortbildungen und gründete schließlich vor zehn Jahren ihre Marke „Wildkräuterlich“. In Seminaren, Kräuterwanderungen und Vorträgen gibt die 52-Jährige ihr Wissen weiter. Seit 2016 stellt sie zudem Cremes, Salben, Pflegeöle, Deodorants und andere Naturkosmetika her.

Wildkräuterführung

Im heimischen Garten und in freier Natur

Wildkräuter gibt es viele: „Aus dem eigenen Garten kennen viele Menschen Löwenzahn und Brennnessel“, sagt Andrea Kurtz. Bei ihren Kräuterwanderungen in der freien Natur warten zudem Blutwurz, Gänsefingerkraut, Mädesüß, Gundermann, Giersch und Schafgarbe. „In der Stadt findet man bei Kräuterwanderungen mittlerweile oft eine größere Vielfalt als auf dem Land“, erklärt die Kräuterexpertin. „Denn hier wird nicht gespritzt, es gibt keine konventionelle Landwirtschaft und keine Monokulturen.“

Abwechslungsreicher essen und trinken – dank gesammelter Wildkräuter

So vielfältig wie das Angebot an wilden Gewächsen ist auch die Verwendung. Wer mag, kann sich während einer Kräuterwanderung das Abendessen in der Natur pflücken: „Taubnesseln, Scharbockskraut oder Löwenzahn eignen sich für einen Salat“, sagt Andrea Kurtz. Für einen Tee dürfen es hingegen getrocknete oder frische Brennnessel-Blätter sein. „Und Giersch schmeckt ein bisschen nach Karotte und Petersilie“ – perfekt für eine Kräuterlimonade. Ruckzuck zubereitet ist zudem ein Smoothie: „Was ich dafür gerne nutze, ist eine bei der Kräuterwanderung gepflückte Handvoll Brennnessel, Giersch oder Scharbockskraut mit einer Banane und Mandelmilch“, sagt Kurtz.

Raumdüfte, Kosmetik und eine Hausapotheke

Aus eigens gesammelten Heilpflanzen von den Kräuterwanderungen

Für den Frühling zuhause eignen sich Raumdüfte. „Zum Beispiel Gundermann und Schafgarbe haben einen angenehmen Eigengeruch“, sagt Andrea Kurtz. Das Hydrolat, das es dafür braucht, stellt sie mit einer Destille her. Ohne solches Spezialgerät ist es aufwändiger, Pflanzenwasser herzustellen – mit einem normalen Topf oder einer Espressokanne aber durchaus möglich.

Für ihre Kosmetik fügt die Kräuterexpertin noch hochwertige Bio-Öle, Bio-Bienen- oder Beerenwachs und pflanzliches Vitamin E hinzu. „Letztlich sind es immer wenige Zutaten und dafür besonders gute – vor allem keine Konservierungsstoffe oder synthetischen Stoffe“, sagt sie.

Bei Salben nutzt sie die Heilwirkung, die manche Wildkräuter von Kräuterwanderungen haben. So soll Giersch gegen Gelenkschmerzen helfen und Gundermann die Wundheilung beschleunigen. Mädesüß empfiehlt Kräuterexpertin Kurtz als Kopfschmerzpflanze: „Ihre Wirkung überträgt sie vor allem über einen Tee.“

Wilde Multitalente beim Kräuterwandern

Gesucht und gefunden

Bei Kräuterwanderungen die Augen offen zu halten, lohnt sich. „Natürlicher geht es nicht“, sagt Andrea Kurtz. Nachhaltiger auch nicht, denn Transport und vor allem Verpackung entfallen – ein Schritt in Richtung Zero-Waste.

„Wildkräuter erweitern den Lebensmittelkatalog ungemein. Sie enthalten viele Vitamine – ein Vielfaches von dem, was herkömmliches Obst und Gemüse haben. Und die Pflanzen gedeihen von selbst, ohne Wasser oder Dünger. Diese Widerstandskraft geben sie einem mit.“

Eine Kräuterwanderung

Perfekt für Anfänger:innen zum Bestimmen von Wildkräutern

Wer nun selbst einige Wildkräuter kennenlernen will, sollte das am besten vor Ort tun. „Eine Kräuterwanderung ist ideal, um sie zu entdecken, genau anzuschauen und zu probieren“, sagt Andrea Kurtz. „Und es hilft, sicherer zu werden und die Kräuter später selbst wiederzufinden.“ Das ist wichtig – denn das Kräutersammeln ähnelt der Pilzsuche: „Nicht alle Kräuter sind essbar, manche sogar giftig. Man sollte auf alle Fälle nur das nehmen, bei dem man sich hundertprozentig sicher ist, dass man es kennt“, sagt die 52-Jährige.

Für frisch Gepflücktes streift sie bei ihren Kräuterwanderungen nicht nur durch die Leinemasch, sondern gerne auch durch die Herrenhäuser Gärten, die Eilenriede, an der Leine entlang oder durch den Tiergarten. Ihr zufolge stehen in allen größeren Grünflächen die Chancen gut, Wildkräuter zu finden. Hilfreich kann auch eine Übersichtskarte sein, die Landschaftsschutzgebiete, Naturschutzgebiete und Parks zeigt. Für Niedersachsen stellt das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz eine solche Online-Karte zur Verfügung. „In Straßennähe sollte man nicht sammeln“, sagt Andrea Kurtz – wegen der Abgase und weil Straßenränder oft Hundekot-Zone sind.


Und so hält eine Kräuterwanderung einen weiteren unschlagbaren Vorteil bereit: die Möglichkeit, das Grau der Straßen und des Alltags hinter sich zu lassen und einzutauchen ins Grün – und zwar mit allen Sinnen.


Helene Kilb (Textkonfekt)

Als freiberufliche Redakteurin und Texterin schreibt Helene Kilb am liebsten über alles, was sie selbst begeistert. Das sind einerseits neue Interiortrends und Deko-Ideen, aber andererseits auch Themenbereiche wie Nachhaltigkeit, Familie und die sozialen Medien.


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