Ein kleiner, grüner Rückzugsort Leben

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zukunftswaende • April 2020

Die Ausgangslage & die Basics

Viele Balkone sehen gleich aus – leer, trostlos und werden allenfalls als praktischer Abstellplatz für den Wasserkasten oder den Wäscheständer genutzt. Dabei sehnt man sich oft nach einer kleinen grünen Oase, in der man nach Feierabend oder am Wochenende gemütlich entspannen kann. Die Lösung ist einfach und heißt „Balkongärtnern“! Denn das macht nicht nur Spaß und sieht gut aus, sondern es ist auch Entspannung pur für Körper und Seele.

Doch wo fängt man da überhaupt an? Zunächst benötigt man ein paar Säcke Blumenerde. Es muss keine Spezialerden sein, eine einfache Pflanzerde, die der Umwelt zuliebe am besten torffrei ist, tut es auch. Dann benötigt man natürlich eine Gießkanne und die passenden Töpfe. Besonders schick sieht es später aus, wenn man sich für ein Material, einen Stil oder eine Farbe entscheidet. Über unglasierte Tontöpfe sollte man wissen, dass sie zwar durch ihren natürlichen Charme optisch glänzen, man sie aber insbesondere auf dem Sonnenbalkon durch eine höhere Verdunstung im Sommer mehr gießen muss. Tipp für Balkonkästen: Hier kann man auf solche mit Wasserreservoir setzen.

Was jetzt noch fehlt? Natürlich die nötigen Blumen, Gemüse, Kräuter oder anderen Pflanzen, die man sich jetzt im Frühjahr aus Samen ziehen kann. Grundsätzlich sollte man dabei beachten, dass sich die Auswahl etwas nach der Lage des Balkons richtet. Bekommt er den ganzen Tag Sonne oder liegt er eher im Halbschatten mit wenigen Sonnenstunden? Auf Letzterem wachsen die meisten Pflanzen top. Schwieriger ist es mit einem komplett schattigen Balkon. Hierfür ist die Auswahl an Blühpflanzen nicht mehr ganz so groß – aber es gibt sie. Zahlreiche Gemüsesorten und heimische Kräuter tolerieren Schatten dagegen besser. 

Kinderleicht ausgesät

Selbst als Anfänger kann man problemlos Blüh- und Gemüsepflanzen säen. Die Anzucht ist oft einfach und die Auswahl an Samensorten riesig. Salat etwa lässt sich spielend leicht aus Samen ziehen. Würziger Rucola, knackige Radieschen und tolles Würzkraut wie Schnittlauch, Dill oder sehr vitaminreiche Brunnenkresse sind schnell und erfolgreich gesät. Hierbei darf das Saatgut bis zur Keimung nicht austrocknen.

Wenn es bunt und blühend sein soll, gibt es auch hier jede Menge Saatgut, das im Frühjahr platziert werden kann. Einfache Beispiele sind Sonnenblumen, Kornblumen, Klatschmohn, Zinnien, Ringelblumen oder Schmuckkörbchen. Wer eine schöne Blumenwiese auf dem Balkon zaubern möchte, greift zu einer Wildblumenmischung. Diese ist, wie die zuvor genannten Pflanzen, gut für Bienen, Schmetterlinge und andere Nektarsammler.

Diese Blühpflanzen sind im Trend

Apropos Bienen. Viele der über 500 heimischen Wildbienenarten sind bedroht. Da kann man als Stadt- und Balkongärtner etwas Hilfe leisten, indem man pollen- und nektarreiche Blühpflanzen setzt. Das ist nicht nur sinnvoll, sondern auch ein absoluter Trend.  

Baumärkte, Gartencenter und Gärtnereien weisen auf bienenfreundliche Pflanzen hin, indem sie einen Teil der Blumentöpfe mit einem Bienensymbol kennzeichnen. Einige davon sind Stauden, also mehrjährige Pflanzen, die Jahr für Jahr mit ihrer Blütenpracht glänzen. Erste Ideen für den bienenfreundlichen Balkonkasten: Mädchenauge, Polsterglockenblume, Zweizahn, einfach blühende Mini-Dahlien, Männertreu, Ziersalbei, Goldlack und Fächerblume. Außerdem im Trend sind duftende und wohlschmeckende Kräuter. Die Auswahl ist hier mittlerweile sehr groß und jedes Jahr kommen neue Pflanzen mit tollen Aromen in den Handel.

Kräuter und Gemüse für den Topfgarten

Kräuter können nicht nur schön duften. Vielmehr baut man diese an, um leckeren Gerichten den letzten Kick zu geben. Wirklich einfach im Anbau sind heimische Kräuter wie Schnittlauch und Petersilie (mögen es gerne etwas schattig) sowie die sonne- und wärmeliebenden mediterranen Kräuter wie Thymian, Salbei, Rosmarin, Oregano oder Basilikum. Bei Basilikum kann man optional auf Strauchbasilikum setzen. Seine Blätter sind zwar etwas fester als beim üblichen Würzkraut, geschmacklich sind sie sich allerdings sehr ähnlich. Außerdem hat das Strauchbasilikum den Vorteil, dass es den ganzen Sommer weiße oder rosafarbene, nektarreiche Blüten bildet. 

Praktisch alles, was in einem Garten gedeiht, wächst auch in Töpfen auf dem Balkon. Man kann Tomaten (nicht im vollen Schatten), Gurken, Kohlrabi und selbst Kartoffeln anbauen. Letztere benötigen allerdings einen richtig großen Kübel, um ertragreich zu sein. Mit Gemüse auf dem Balkon wird man zwar nicht zum Selbstversorger – jedoch macht der Anbau von etwas Essbarem jede Menge Spaß, und das Ergebnis kann man so frisch gar nicht kaufen.

DIY: Von Möbeln und Vertical Gardening

Wenn einem auf dem Balkon bei so vielen Blumen, Kräutern und Gemüse der Platz ausgeht, heißt es: in die Höhe gärtnern! Mit „Vertical Gardening“ hat man den Vorteil, dass auf wenig Raum vergleichsweise viele Pflanzen unterkommen. Das gelingt ganz einfach, indem man wetterfeste Regale an einer Wand aufstellt, Pflanzgefäße übereinander anordnet oder andere Systeme ganz einfach an die Wand hängt.

Mit ein wenig Geschick wird eine aufgestellte Europalette (gibt’s mittlerweile in vielen Baumärkten) zu einem kleinen vertikalen Garten. Aus solchen Paletten kann man sich auf einem größeren Balkon oder einer Terrasse übrigens auch großartige Sitzgelegenheiten bauen. Bunte Kissen darauf, ein paar Kerzen auf den Tisch und fertig ist die DIY-Lounge-Ecke. 

Selbstgemachte Pflanztöpfe können aus Obst- oder Weinkisten entstehen, die mit Folie ausgeschlagen sind, oder aus großen Plastikflaschen, die aufgeschnitten und an beiden Enden aufgehängt werden. Schubladen eines alten Schranks, ebenfalls ausgekleidet, alte Töpfe oder Schüsseln, beides mit ein paar Löchern für den Wasserabzug – es gibt vieles, das sich als selbstgemachtes Pflanzgefäß eignet.

Pflanztreppe selber bauen

Die hier abgebildete Pflanztreppe, aus gängigen Terrassendielen aus dem Baumarkt, kann mit etwas Geschick an einem Nachmittag selbst gebastelt werden. Im Vergleich zu vertikalen Systemen, die an die Wand montiert werden, hat sie den Vorteil, dass sie durch die schräge Konstruktion ohne Schrauben an die Wand zu stellen ist. Und das ist übrigens überall möglich, nicht nur auf dem Balkon.

Materialien

  • 2 Bretter à 2 m x 14 cm und 28 mm stark (für die Stützen, individuell lang, eventuell einkürzen)
  • 2 Bretter à 1,10 m (stabilisierende Ober- und Unterseite, Maß abhängig von der Dielendicke!)
  • 9 Bretter à 1 m (für die Seiten und Unterseite der Kästen)
  • 6 Brettstücke; Maß abhängig von der Brettdicke, hier: 14 x 19,6 cm (für den seitlichen Abschluss der Pflanzkübel)
  • Edelstahlschrauben, ca. 60; Maß: 3,5 x 40
  • Folie oder Unkrautvlies zum Auskleiden
  • 1 Säge, 1 Akkuschrauber, eine Wasserwaage, 1 Bleistift, 1 Metermaß, eventuell 2 Schraubzwingen, Hilfe beim Aufbau

 

Bauanleitung

  1. Zunächst die beiden Bretter, die zur Stütze werden, mit 30 cm Abstand an die Wand stellen (das Brett sollte jemand halten).
  2. Die Wasserwaage an der hinteren Kante waagerecht anlegen und eine Schnittkante einzeichnen. Genauso verfährt man an der Oberseite.
  3. Die Bretter für die Ober- und Unterseite mit je 2 Schrauben pro Seite fixieren. Jetzt steht der Rahmen. 
  4. Nun die Kästen montieren. Zunächst die Seitenwände mit dem Boden verbinden. Hierzu rechts und links je eine Schraube montieren. Hier hilft eine Schraubzwinge.
  5. Nun die Brettstücke seitlich und bündig anlegen und ebenfalls mit je 4 Schrauben – 2 vorne, 2 hinten – fixieren.
  6. Den ersten Kasten in 30 cm Höhe in den Rahmen einschieben. Mit der Wasserwaage schauen, dass er waagerecht ist. Ist das der Fall, dann von innen mit 4 Schrauben im Rahmen fixieren (je Seite 2).
  7. Mit den beiden nächsten Kästen ebenso verfahren. Der Abstand: wieder 30 cm.
  8. Mit Folie auskleiden, Erde hineingeben und nach Lust und Laune bepflanzen.

 

Viel Erfolg! 


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Ein ausgewähltes Redakteurs-Team der LBS Nord beschäftigt sich mit zukunftsweisenden Inhalten rund um die Themen Wohnen, Leben und Zeitgeschehen. Dabei ist es den kleinen Dingen im Leben auf der Spur, die das eigene Zuhause größer machen.


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